Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Bio-Kaffee und konventionellem Kaffee?
Kaffee ist weltweit das Getränk Nr. 1. Auch in Deutschland liegt der Kaffeekonsum mit ø 165 Liter pro Jahr vor Softdrinks und Bier.
Weltweit wurden im Jahr 2018 ca. 9,6 Mrd. kg Kaffee konsumiert.
Mit einem durchschnittlichen Jahreskonsum (2017) von ca. 6,6 kg Kaffee pro Kopf liegt Deutschland weltweit an 8. Stelle knapp hinter Italien (6,7 kg), aber noch vor Ländern wie Frankreich, den USA oder Spanien mit je unter 5kg pro Kopf.
Doch wo kommt eigentlich der ganze Kaffee her, den wir mit jeder Tasse am Morgen so genießen?
Und ist Bio-Kaffee wirklich besser?
Kaffee ist in den letzten Jahrzehnten zu einem globalen Markt geworden. Seit 2000 ist der Markt von 6,5 Mrd. kg auf 9,8 Mrd. kg um ca. 50% gewachsen. Auch künftig soll, Experten zur Folge, die Nachfrage nach Kaffee, nicht nur in Deutschland weiter wachsen. Um die weltweit steigende Nachfrage zu befriedigen, musste immer mehr Kaffee immer schneller hergestellt werden. Um diese Masse an Kaffee zu produzieren, musste sich die Kaffeeindustrie neu erfinden und die Produktionsprozesse anpassen. Und wie so häufig lautet die Formel am Ende: Masse statt Klasse.
Das hat verschiedenen Konsequenzen auf den Kaffee, bis er in unsere Tasse kommt, insbesondere im Hinblick auf ANBAU, ERNTE und RÖSTUNG.
Unterschiedliche Anbauformen von Kaffee
Generell gibt es 2 Sorten von Kaffee, Arabica und Robusta. Die Kaffeepflanze wächst zwischen den 24. und 32. Breitengraden, also rund um den Äquator, abhängig von Temperaturen, Höhenlagen und Niederschlägen.
Die Früchte der Kaffeesträucher werden, je nach Art, in 9 bis 11 Monaten bei Arabica- oder in 6 bis 8 Monaten bei Robusta-Bohnen reif. Dabei wechseln die Kaffeekirschen ihre Farbe entsprechend dem Reifegrad von Grün über Gelb nach Rot.
Kaffee ist ein landwirtschaftliches Erzeugnis und benötigt damit Agrarflächen zum wachsen. Die größere Nachfrage nach Kaffee bedeutet, dass es auch eine größere Nachfrage nach Anbauflächen gibt.
Nachdem Kaffee insbesondere in Regenwaldregionen wächst, führte diese Entwicklung dazu, dass Regenwald gerodet wurde, um systematische Kaffeefelder zu pflanzen. Diese kann man sich vorstellen, wie Weinberge in unseren Breitengraden, mit Spurrillen zwischen den Pflanzen für die Erntefahrzeuge (vgl. „Ernte“ unten). Um den Ernteertrag zu maximieren, wachsen also ausschließlich Kaffeepflanzen auf diesen Feldern.

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Ein Anbau in dieser Form führt zu Monokulturen, da bestehende Flora und Fauna in dieser Region vollständig abgetötet oder entfernt werden.
Gemäß einer Studie der Universität Zürich sind „Monokulturen zwar effizient zu bewirtschaften, aber alles andere als nachhaltig“;
- Monokulturen nutzen die Nährstoffe im Boden nur einseitig. Von einem Nährstoff gibt es in der Folge zu wenig, von anderen noch viel.
- Weil es von einem Bodennährstoff schnell zu wenig gibt, muss der Bauer viel düngen. Wird zu viel Dünger benutzt, schädigt das aber gleichzeitig den Boden und das Grundwasser.
- Monokulturen sind anfälliger für Schädlinge, weil kein ökologisches Gleichgewicht mehr besteht. Daher müssen Bauern vermehrt zu Pestiziden und Herbiziden greifen.
Einem Bericht des NDR zur Folge werden teilweise gesundheitsschädliche Pestizide und Dünger verwendet, die in der EU streng verboten sind, nach dem Rösten der Kaffeebohne aber nicht mehr nachweisbar sind oder zumindest – pro Giftstoff – unter dem jeweiligen gesetzlichen Grenzwert liegen. (https://www.youtube.com/watch?v=QrwSlfRZgfo)
Bio-Kaffees dagegen sind in der Regel in Mischkulturen angesiedelt, das heißt, sie wachsen zusammen mit Bananen, Zitrusfrüchten und Schattenbäumen, gut geschützt vor Wind und zu starker Sonneneinstrahlung (Ja, Kaffee ist ein Schattengewächs!).
Die herabfallenden Blätter diverser Bäume kompostieren und düngen damit den Boden und bewahren ihn so vor Erosion. Durch Mischkulturen findet außerdem die Schädlingsbekämpfung auf einem natürlichen Weg statt (Pflanzen, Insekten, Vögel „bekämpfen“ sich gegenseitig im ökologischen Gleichgewicht), so dass die menschliche Schädlingsbekämpfung auf ein Minimum reduziert werden kann. Die dann noch notwendige Düngung erfolgt nach Richtlinien des Bio-Anbaus, d.h. dass keine chemischen und synthetischen Pflanzenschutz- oder Düngemittel eingesetzt werden.
So bleibt ein stabiles Ökosystem erhalten, das Böden und Wasser vor Erosion, Auslaugung und chemischer Belastung schützt und sich am Ende in einem vollen, vielseitigen Geschmack in deiner Tasse widerspiegelt.
Ernteformen von Kaffeekirschen
Traditionell wurden die roten, reifen Kaffeebohnen mit der Hand von den Kaffeesträuchern gepflückt (sog. „picking“). Bei Bio-Kaffee’s oder kleineren Farmen in schwerer zugänglichen Regionen ist das heute häufig noch so.
Die wachsende Nachfrage nach Kaffee hat, wie in der landwirtschaftlichen Evolution generell, zur Folge, dass die Erntemethoden in der Massenproduktion maschinell immer mehr automatisiert wurden, um schneller und kosteneffizienter zu ernten.
Daraus resultiert, dass die Ernte-Maschinen zwar schneller die Kaffeebohnen von den Sträuchern „rupfen“ (sog. „stripping“), aber die Maschinen tendenziell weniger unterscheiden können, ob eine Kaffeebohne bereits reif für die Ernte ist oder besser noch ein paar Tage/Wochen reifen sollte. Es werden dadurch alle Bohnen des Strauches geerntet, auch in verschiedenen (Un-)Reifegraden, was am Ende zu einer geringeren Qualität und muffigem Geschmack des Kaffees führen kann.
Handgepflückte Kaffeebohnen hingegen werden in einem idealen Reifezustand geerntet und stehen dadurch für eine bessere Auslese und eine höhere Qualität.
Unsere Bio-Kaffees sind alle handgepflückt.
Die Röstung von Rohkaffee
Bevor der Kaffee in unsere geliebte Kaffeemaschine kommt, muss er zunächst in Form von Rohkaffee aus dem Herkunftsland zu uns transportiert und vor Ort geröstet werden.
Auch hier muss es bei der Verarbeitung in der Kaffeeindustrie schnell gehen, denn Lagerfläche und Zeit kosten bekanntermaßen Geld. Das heißt, dass die Rohkaffeebohnen durch eine schnelle (ca. 3-5 Minuten) und sehr heiße Röstung (bei Temperaturen bis ca. 500°C) in einem Schockröstverfahren geröstet werden, um schnellstmöglich zum POS transportiert werden zu können. Das führt dazu, dass der Kaffee regelrecht „verbrennt“, die Bitterstoffe und Säuren sich nicht ausgewogen entfalten können und der Kaffee eher bitter schmeckt.
Dieses Röstverfahren ist bei konventionellem Kaffee, wie man ihm im Supermarkt kaufen kann, an einem ungleichmäßigen Röstbild der Bohnen zu erkennen; die meisten Bohnen sind sehr dunkelbraun, andere hingegen haben deutlich hellere Brauntöne.
Neben der Zeitersparnis ist ein weiterer „Vorteil“ (im Sinne der industriellen Produktion) des Röstverfahrens, dass durch die hohen Rösttemperaturen Kaffeebohnen von geringerer Qualität nicht mehr so einfach unterschieden werden können.
Ein anderes Röstverfahren dagegen ist die schonende Röstung im Trommelröster. Das Röstverfahren hat selbstverständlich der Bio-Kaffee nicht exklusiv, auch konventioneller Kaffee wird im Trommelröster geröstet und umgekehrt Bio-Kaffees im Schockröstverfahren. Aufgrund des tendenziell höheren Qualitätsanspruchs ist dieses Röstverfahren aber bei Bio-Kaffees üblicher.
Beim Trommelröstverfahren werden die Kaffeebohnen zwischen 15 und 25 Minuten bei Temperaturen zwischen 170°C und 195°C schonend geröstet. Dabei drehen sich die Bohnen in der Trommel (daher der Name), so dass eine gleichmäßige Röstung sichergestellt werden kann, ohne dass die Bohnen anbrennen. So kann sich der individuelle geschmackliche Charakter der Kaffeebohne mit all seinen aromatischen Besonderheiten voll entfalten.
Unsere Kaffees werden in eben diesem Verfahren frisch in einer lokalen Kaffeerösterei in echter Handarbeit geröstet. In ihrer bereits über 20-jährigen Geschichte wurde die Rösterei mehrfach durch das internationale Gourmet-Magazin "Der Feinschmecker" als eine der „besten Röstereien Deutschlands“ ausgezeichnet. Verschiedene Kaffees der Rösterei wurden bereits mit der Goldmedaille der deutschen Röstergilde prämiert.
FAZIT: Bio-Kaffee ist wirklich besser.
Teuer heißt nicht immer gut, günstig heißt nicht immer schlecht. Man sollte beim Kaffeekauf trotzdem versuchen auf die Qualität zu achten; das spiegelt sich am Ende nicht nur im Geschmack, sondern ggf. in einem gesünderen Kaffeeerlebnis wider. Bei einem Einkaufspreis von 10 EUR/kg im Supermarkt, fallen 7% MwSt. an, 2,19 EUR pro Kilogramm Kaffeesteuer (in Deutschland) – bleiben also netto ca. 7 EUR/kg vor Produktions- und Logistikkosten. Man muss kein Atomphysiker sein, um auszurechnen, wie hoch der Anspruch an Qualität und Nachhaltigkeit im Produktionsprozess sein kann, geschweige denn wie viel EUR/kg beim Kaffeebauern vor Ort am Ende hängen bleiben.
Alle unsere Kaffees sind zertifizierte Bio-Kaffees, werden von Hand gepflückt und werden in kleinen Chargen schonend geröstet. Das Röstprofil ist individuell auf die Bohnen, die immer aus einer bestimmten Plantage/Kooperative zu fairen Bedingungen importiert sind, abgestimmt.
Nach der Röstung werden unsere Kaffees in einer aluminiumfreien Verpackung aus recyceltem Öko-Papier mit Aromaventil verpackt. So stellen wir den maximalen Erhalt der Aromen des frisch gerösteten Kaffees bis zu deiner Kaffeemaschine sicher.
Hinweis: bei dieser Darstellung handelt es sich um eine Verallgemeinerung des Kaffeeproduktionsprozesses. Es gibt sicherlich nicht immer nur schwarz und weiß; soll heißen, dass es sicherlich auch guten, konventionellen Kaffee gibt, genauso wie es vermutlich auch schlechten Bio-Kaffee gibt.